Das Düsseldorfer Asphalt Festival setzt auf große künstlerische Entwürfe und kontroverse Ästhetiken.
Die Triggerwarnungen aus dem Off wollen einfach nicht enden. Einige von ihnen sind mehr oder weniger Standard, wie die vor »Rauch«, »lauter Musik« und »Stroboskoplicht«. Andere führen einen dagegen direkt auf das verminte Schlachtfeld gegenwärtiger Kulturkämpfe. So wird hier ebenso vor »toxischer Männlichkeit« und »weißen Privilegien« wie vor »politisch korrekter Sprache« und natürlich »Wokeness« gewarnt. Vertreter jeglicher politischen Couleur können und sollen sich angesprochen fühlen.
Darum geht es dem Theatermacher, Musiker und bildenden Künstler Julian Hetzel mit seiner Performance »Three Times Left is Right«, die im Rahmen des Asphalt Festivals (17. und 18. Juli im Düsseldorfer Schauspielhaus) erstmals in NRW zu sehen ist. Der Titel mag andeuten, dass die ›Linke‹ in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einmal zu viel abgebogen ist und so den ›Rechten‹ Vorschub geleistet hat. Doch solchen simplen Schuldzuweisungen entziehen sich Julian Hetzel und seine beiden Performer*innen, Josse De Pauw und Kristien De Proost, überaus geschickt. Sie beziehen gezielt nicht Stellung, sondern lassen einfach die beiden Seiten aufeinanderprallen.
Inspiriert von der Ehe zwischen dem Kulturwissenschaftler Helmut Lethen und der neurechten Publizistin Caroline Sommerfeld verkörpern De Pauw und De Proost, die selbst ein Paar sind, zwei Menschen, die Menschen emotional eng verbunden ist und sich doch zerfleischen, und das ist hier nahezu wörtlich gemeint. Hetzel gelingt es, die Eigendynamik von Sprache und Haltungen zu offenbaren, und erzählt so von einer Gesellschaft, die kopfüber in einen Strudel der Radikalisierung ziehen lässt.
Kooperation mit der Kunsthalle
Hetzels kompromisslose Ästhetik unterscheidet sich in ihrer teils comichaften Form deutlich von den bildmächtigen Bühnenvisionen Florentina Holzingers. Dennoch stehen »Three Times Left is Right« und Holzingers im vergangenen Jahr uraufgeführte Performance »A Year without Summer« (15. & 16. Juli im Düsseldorfer Schauspielhaus), in der sich die österreichische Performance-Künstlerin auf überraschend anrührende Weise mit dem Altern des menschlichen Körpers und dem langsamen Vergehen der Erde beschäftigt, in einer Tradition. Beide Arbeiten suchen das Extreme in der Kunst und scheuen sich dabei nicht, das Publikum zu provozieren. Aber diese Provokationen sind kein Selbstzweck. Sie fordern heraus, einen anderen Blick auf die Welt und unser Leben zu wagen. Damit passen beide Arbeiten perfekt in das Profil, das Christof Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić, die Gründer und Leiter, dem Festival im Lauf der Jahre gegeben haben.
Die diesjährige Ausgabe, die am 15. Juli mit der Festrede der Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann eröffnet wird, setzt einmal mehr auf innovative und ungewöhnliche Orte und Formate. So kooperiert Asphalt erstmals mit der Kunsthalle und zeigt im unterirdischen Kunstraum »KIT – Kunst im Tunnel« eine Ausstellung des Fotografen Laurenz Berges. Außerdem finden hier vier Konzerte statt, in denen sich Raum und Klang, Architektur und Musik, auf besondere Weise verbinden. Es gibt neben zahlreichen Theater- und Performance-Produktionen, zu denen auch die Uraufführung von Dorothee Krings‘ Roman »Tage aus Glas« durch das Theaterkollektiv Pièrre.Vers (Premiere am 20. Juli im Stadtraum) gehört, wieder Lesungen etwa von Dana von Suffrin (24. Juli) Christiane Rösinger (25. Juli) sowie Konzerte auf der Seebühne am Schwanenspiegel. Einen weiteren Höhepunkt markiert die grenzüberschreitende VR-Performance »Auflösung. Ein virtueller Kontrollverlust« des Wiener Kollektivs DARUM, die im vergangenen Jahr in Düsseldorf bei den »Impulsen« ihre gefeierte Arbeit »E.O.L. – End of Life« gezeigt haben. Wie Hetzel und Holzinger testen auch DARUM die Grenzen des Performativen aus, testen subversiv Methoden und Techniken der Tech-Konzerne und rücken damit ganz nah an den brennenden Fragen unserer Zeit.
15. JULI BIS 2. AUGUST
VERSCHIEDENE ORTE IN DÜSSELDORF






